Kathrin Scholl, Daniel Jositsch und Cédric Wermuth zeigten an der Veranstaltung „Digitalisierung“ im Aarehof in Wildegg eindrücklich auf, dass die Digitalisierung enorme Auswirkungen auf  alle Bürger*innen in der Schweiz, in Europa und weltweit haben wird. Das bisher Erlebte ist lediglich der Anfang. Die Umwälzungen werden jene der industriellen Revolution, der Automation und der neoliberalen Dekade bei Weitem übertreffen.

René Wagner, Möriken

Das Konzept der Veranstalter, zu diesem Thema ein Gespräch und keine Arena mit politischen Gegnern durchzuführen, erwies sich als richtig. Statt Schlagworte und Unterstellungen, die in einer Arena Diskussion dominieren, bekamen die sehr zahlreichen Besucher eine vertiefte Information über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bereiche Bildung, Arbeit, Wirtschaft, Demokratie und Politik.

Auf die Frage von Kathrin Scholl, was von Zukunftsprognosen zu halten ist, meinte Daniel Jositsch lakonisch, dass solche Prognosen in der Vergangenheit regelmässig sich nicht erfüllt hätten. Statt Prognosen erstellen zu lassen, wäre es die Aufgabe der Politik, die Menschen auf den Wandel mitzunehmen. Cédric Wermuth hielt fest, dass jede technologische Entwicklung ergebnisoffen analysiert  werden muss. Auch wenn man dann die Entwicklung für gut befindet, kann diese nie gegen den Willen der Bürger eingeführt werden. Diese müssen in jedem Fall miteinbezogen  und mitgenommen werden. Wir wissen also nicht, was die Zukunft genau bringen wird. Wir wissen nur, dass die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in immer kürzeren Interwallen auf uns zukommen. Und darauf müssen fortschrittliche Politiker die Bürger vorbereiten.

In der Bildung sind die Chancen durch die Digitalisierung einmalig. Schüler, Lehrlinge, Studenten, Lehrer, Dozenten und Berufsleute profitieren in vielerlei Hinsicht durch einen besseren Zugang zum weltweiten Wissen. Die drei Referenten waren sich einig, dass die Bildung auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe des Staates sein wird. Die Herausforderung wird sein, dass möglichst Alle mitgenommen werden. Es kann nicht akzeptiert werden, dass jene Schüler, die mit den hohen Anforderungen Mühe haben, sich selbst überlassen werden. Eine solidarische Gesellschaft muss dafür sorgen, dass sich Bürger nicht von der demokratischen Gesellschaft abwenden, weil sie sich übergangen fühlen. Ganz besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die nationalen Demokratien durch die Internationalisierung nicht noch mehr geschwächt werden.

Bei der Arbeit sind die Auswirkungen vielschichtiger. Auf der einen Seite werden auch in der Schweiz hunderttausende von Arbeitsplätzen vernichtet. Gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze, jedoch im wesentlich geringeren Ausmass. Optimistisch kann man jedoch davon ausgehen, dass neue, derzeit noch unbekannte, interessante und gut bezahlte Berufe entstehen. Für all jene Arbeitnehmer jedoch, die auf dem Arbeitsmarkt keinen Job mehr finden, muss die Politik jetzt und heute, unter Einbezug der Unternehmungen, akzeptable und sozial ausgewogene Lösungen finden. Deshalb ist es unabdingbar, dass die Digitalisierung nicht dem Markt zu überlassen sondern sozial begleitet wird. Dringend ist die soziale Sicherheit, die allein die Gesellschaft leisten kann.

Die Wirtschaft und der Handel sind schon seit geraumer Zeit im digitalen Wandel. Glücklicherweise sind Schweizer Unternehmen in Sachen Digitalisierung vorne dabei. Das Risiko, abgehängt zu werden, scheint vorläufig gebannt zu sein. Da der Wandel mit Sicherheit qualitatives Wachstum und Mehrwert schafft, kann die Gesellschaft die Wirtschaft verpflichten, dass dort, wo das Angebot an Arbeitskräften wesentlich grösser ist als das Angebot von Stellen, die soziale Sicherheit für die Betroffenen garantiert wird. Die Schweizer Wirtschaft kann die Digitale Revolution nur dann positiv umsetzen, wenn der Staat  weiterhin in der Lage ist, Infrastruktur und Bildung auf einem hohen Niveau zu halten.

Im Gegensatz zum Neoliberalismus, der die Gesellschaften weltweit spaltete, muss die Digitale Revolution allen und nicht wenigen dienen.

 

Foto zVg.

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